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Freitag, 24. November 2017   
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Griechenland
Griechenland

Minderheiten:
Türken 60.000
Wlachen 40.000
Makedonier 40.000
Albaner 25.000
Roma

Bemerkungen
Neben Frankreich ist Griechenland das europäische Land, das sich Minderheitenforderungen gegenüber am meisten verschlossen zeigt. Historische und kulturelle Besonderheiten haben den griechischen Staat nicht nur dazu geführt, sich mit einer Sprache und einer Konfession zu identifizieren (wie viele andere Staaten auch), sondern haben das Vorhandensein unterschiedlicher Sprachen und Konfessionen auf griechischem Boden als unerträglich empfinden lassen. Die Folge davon waren die Vertreibung von Minderheiten und der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei sowie zwischen Griechenland und Bulgarien in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ferner hat sich die griechische Regierung bisher geweigert, in einem Gesetzestext anzuerkennen, dass - aller Unterdrückung zum Trotz - heute noch einige Minderheitengruppen in Griechenland leben.
Griechenland hat weder das Rahmenübereinkommen zum Schutz der nationalen Minderheiten ratifiziert noch die Charta der regionalen oder Minderheitensprachen unterzeichnet. Die Verfassung enthält keinen Hinweis auf die Minderheiten. Noch im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde ein Vertreter der wlachischen Minderheit zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er öffentlich behauptet hat, jene Minderheit existiere, d. h. er hat in den Augen der Richter den griechischen Staat verleumdet.
Der große Druck, den die griechische Kultur, die Gesellschaft und die Gesetze Griechenlands auf die Minderheiten ausüben, bewirkt, dass diese sich in der Regel nicht zu erkennen geben. Und wenn sie es trotzdem tun, wie zum Beispiel anlässlich traditioneller Volksfeste, dann legen die Beteiligten Wert darauf, zu sagen, dass sie Griechen sind... mit einer zweiten Sprache. Vor diesem Hintergrund können die Zahlangaben über die Minderheiten nur auf Schätzungen beruhen.
Die einzige Anerkennung einer Minderheit wurde Athen durch einen internationalen Vertrag auferlegt: den Vertrag von Lausanne im Jahr 1923. Er legt fest, dass in West-Thrakien eine turkophone Gruppe lebt, der der griechische Staat einen minimalen kulturellen Schutz gewähren muss. Die Türken in Griechenland, die außerhalb Thrakiens leben, haben keinen vergleichbaren Schutz.
Die Wlachen oder Aromunen sind eine Bevölkerungsgruppe, deren (in viele Varianten verzweigte) Sprache lateinischer Abstammung ist; die griechischen Albaner werden Arvaniten genannt und benutzen wie die Wlachen die griechische Schriftsprache; als Türken werden die Pomaken eingestuft (die eigentlich Slawen mit islamischer Religion sind) sowie die Muslime, die nicht in West-Thrakien beheimatet sind. Die Bezeichnung „Makedonier“ für die orthodoxen Slawen im Norden Griechenlands ist schließlich auf die makedonische Region der klassischen Zeit zurückzuführen und nicht auf den Staat, der infolge der Zersplitterung Jugoslawiens in jüngster Zeit entstanden ist.

Rechtsbestimmungen
  • Dokument PDFVertrag von Lausanne (1923, Auszug)
    (Mit diesem Vetrag wurde der Frieden zwischen der Türkei und den Alliierten, unter denen sich auch Griechenland befand, nach dem ersten Weltkrieg wieder hergestellt. Ein Abschnitt dieses Vertrags ist dem Minderheitenschutz gewidmet, wobei der Türkei bestimmte Pflichten in Bezug auf die nicht-muslimische Bevölkerung auferlegt wurden, andererseits aber auch die gleichen Rechte für die Türken in der griechischen Region West-Thrakien gelten sollten.)
  • Dokument PDFGesetz über die Schulen der muslimischen Minderheit in West-Thrakien( 1977)


Bibliographie
Minorities in Greece: Aspects of a Plural Society/ Richard Clogg (Hg.); London: Hurst and Company, 2002.
Standort: M 305.800 949- MIN- 1

Die türkische Minderheit in West-Thrakien: Geschichte und Gegenwart/ Michael Ackermann; Ulm: Hess, 2000.
Standort: M-949. 570 049-ACK-1

Links
www.farsarotul.org (Website der kulturellen Vereinigung der in die Vereinigten Staaten ausgewanderten Aromunen, mit vielen Informationen über deren Lage in Griechenland. Der Begriff „farsarot” bezeichnet eine aromunische Mundart.)
www.florina.org (Website der Partei der makedonischen Minderheit. Die Partei heißt „Regenbogen“, weil es nach dem griechischen Gesetz verboten ist, politische Gruppen auf ethnischer Basis zu gründen.)
www.gundemgazetesi.com (Website des politischen Wochenmagazins „Agenda“, das sich an alle türkischsprachigen Gemeinschaften in Griechenland richtet und einen Sonderteil für West-Thrakien enthält. Es ist die einzige Zeitschrift der türkischen Minderheit, deren Website auch einige Nachrichten in englischer Sprache enthält.)
www.abttf.org (Website der Föderation der West-Thrakien Türken in Europa, die ihren Sitz in Deutschland hat. Als eine der wenigen Minderheitenwebsites, die sich nicht nur ausschließlich auf die eigene spezifische Minderheit beziehen, enthält sie auch Informationen über die Makedonier, Wlachen, Albaner und Juden in Griechenland.)
www.arvasynel.gr (Website des Bundes der griechischen Arvaniten)
www.kemo.gr (Website des Zentrums für Minderheitenforschung, das von einigen griechischen Sozialwissenschaftlern gegründet wurde, um Informationen über den in Griechenland offiziell verleugneten, aber dennoch existierenden sprachlichen Pluralismus zu verbreiten)