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Donnerstag, 23. November 2017   
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Republik Moldau
Republik Moldau

Zu beachten:
Die Territorien der Republik Moldau jenseits des Flusses Dnjestr (rum. Nistru) haben sich 1990 der Kontrolle der Hauptstadt Chisinau entzogen. Seitdem werden sie de facto von den Behörden der autoproklamierten, international nicht anerkannten Transnistrischen Moldawischen Republik verwaltet. Diese in Europa beispiellose Lage hatte unter anderem zur Folge, dass zwischen 1989 und 2004 keine offizielle Volkszählung stattfand. Erst 2004 wurde dann eine für Moldawien und Transnistrien getrennte Erhebung durchgeführt. Die Ergebnisse werden hier dementsprechend getrennt wiedergegeben, auch weil die Minderheitenpolitik an den beiden Dnjestr-Ufern von unterschiedlichen Organen und nach unterschiedlichen Prinzipien verwirklicht wird.
Die moldawische Gruppe in Transnistrien ist kleiner als die aus untereinander sehr solidarischen Russen und Ukrainern bestehende slawische Gruppe. Deshalb wurde der üblichen Bezeichnung „Minderheit“ in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Volksgruppe“ vorgezogen.

Volksgruppen in Moldawien
Moldawier 2.564.849 (75,8% der Gesamtbevölkerung)
Russen 201.218 (5,9%)
Ukrainer 282.406 (8,3%)
Bulgaren 65.662
Gagausen 147.500
Juden 15.672
Weißrussen 13.608
Deutsche 7.335
Polen 4.739
Roma 11.571

Volksgruppen in Transnistrien
Moldawier 177.156 (31,9%)
Ukrainer 159.940 (28,8%)
Russen 168.270 (30,3%)
Gagausen 11.107 (2,0%)
Bulgaren 11.100 (2,0%)

Würde Moldawien das Problem der abtrünnigen Gebiete einmal lösen, ergäbe sich für die größeren Gruppen folgendes Bild, das die Summe der zwei obigen Tabellen darstellt:


Moldawier 2.742.005 (69,6%)
Ukrainer 442.346 (11,2%)
Russen 369.488 (9,4%)
Gagausen 158.607 (4,0%)
Bulgaren 76.769 (1,9%)

Bemerkungen
Die Verfassung der Republik Moldau (1994) erklärt das Moldawische zur offiziellen Staatssprache und das Russische zur „Sprache für interethnische Beziehungen“. In der Tat hatten in der Zeit der Sowjetunion die in der Republik ansässigen Nicht-Moldawier keinen Grund, Moldawisch zu lernen. Die russische Sprache war für jeden Zweck ausreichend. Das Moldawische galt - nicht ganz zu Unrecht - als rückständige Sprache, die nur im ländlichen Milieu gesprochen wurde und daher kein großes Ansehen genoss. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die sowjetischen Behörden die Kontakte zwischen Moldawiern und Rumänen verhinderten (moldawisch ist eigentlich nur ein anderer Name für die rumänische Sprache, die in Rumänien Staatsprache ist, wo sie sich entwickelt hat, um sich den Erfordernissen einer modernen Verwaltungs- und Wissenschaftssprache anzupassen) und die Moldawier zwangen, für ihre romanische Sprache das unpassende kyrillische Alphabet zu benutzen.
Die Vorstellung, Moldawisch sei eine minderwertige Sprache, hat so tiefe Wurzeln geschlagen, dass sie auch nach der Unabhängigkeit von 1991 weiterwirkt. So verwenden in öffentlichen Geschäften nicht nur Ukrainer, Gagausen, Bulgaren und Juden vorzüglich Russisch, sondern auch viele Moldawier, die meinen, ihre Sprache sei unfähig, anspruchsvolleren Situationen gerecht zu werden.
Die Lage der moldawischen Sprache in Transnistrien ist noch trostloser, weil trotz nomineller Dreisprachigkeit dieser abtrünnigen Region (Moldawisch, Russich, Ukrainisch nach der Verfassung von 1997) das Russische im öffentlichen Leben ein faktisches Monopol hat. Verstärkt wird dieser Umstand dadurch, dass die Führungskräfte und hohen Beamten nicht aus der Region stammen, sondern russische Staatsbürger und ethnisch Russen sind.
Weder Moldawien noch internationale Organisationen können wegen des besonderen Status der Region gegen Verletzungen bestimmter Grundrechte, darunter der Sprachrechte, tätig werden.
Die Gagausen sprechen eine dem heutigen Türkischen sehr nahestehende turanische Sprache. Sie sind im Laufe des 18. Jahrhunderts in die Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres eingewandert und weisen die Besonderheit auf, das einzige turanische Volk zu sein, das den christlichen Glauben angenommen hat. Für sie wurde im Süden des Landes eine territoriale Autonomie eingeführt. Rechtsbestimmungen

Bibliographie
Gagauzii din Basarabia in tecut si prezent/ Anatoli Macis; Bucarest: Agerpress Typo, 2003
Standort: M- 305.894 360-Mac-1

The Moldovans: Romania, Russia and the Politics of Culture/ Charles King; Stanford Ca.; Hovver Institution Press, 2000
Standort: M- 947.6 –KIN- 1

Links
www.dri.gov.md (Website der von der Zentralregierung errichteten Abteilung für interethnische Beziehungen. Dieses Amt befasst sich mit der Ausarbeitung der Sprachpolitik und mit einem Teil ihrer Umsetzung. Die Website enthält leider nicht sehr viele Informationen.)
www.krorm.ru (Website des Kongresses der russischen Gemeinschaften in Moldawien)
www.jewish.md (Website über die moldawischen Juden, die von amerikanischen Juden eingerichtet wurde, weshalb die Informationen ausschließlich englisch sind.)
www.romale.net (Website der moldawischen Roma-Vereinigungen)
www.vspmr.org (Website des transnistrischen Parlaments, das „Oberster Rat“ genannt wird. Trotz der in der transnistrischen Verfassung vorgesehenen offiziellen Dreisprachigkeit enthält die Seite nur Informationen auf Russisch, die zum Teil ins Englische übersetzt wurden.)
www.tiras.ru (Website mit allgemeinen Informationen über Transnistrien, die von Tiraspol, Haupstadt der abtrünnigen Gebiete, verwaltet wird)